Dienstag, 7. März 2017

Rezension zu "Beides sein" von Ali Smith



Autor: Ali Smith
Titel: Beides sein
Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 2016
Verlag: Luchterhand

Beschreibung:»Beides sein« ist ein Roman über die Gegensätze von Mann und Frau, von Leben und Tod, von Vergangenheit und Gegenwart und über die Sehnsucht, diese Gegensätze zu vereinen, da sie erst vereint ein Ganzes bilden.

»Beides sein«, das sind zwei Geschichten, die ein Ganzes bilden: Da ist die Geschichte von George, einem Mädchen von heute, das um seine ganz plötzlich verstorbene Mutter trauert. George hält ihre Erinnerungen fest, vor allem die Reise nach Italien, als sie mit ihrer Mutter und ihrem kleineren Bruder Henry den Palazzo Schifanoia in Ferrara besuchten, der mit Fresken ausgemalt ist.

Der Künstler der schönsten Fresken in diesem »Palast gegen die Langeweile« aus dem 15. Jahrhundert war Francescho del Cossa. Diese Erinnerungen, die Entdeckung des Sehens und Beobachtens und eine Freundschaft bringen George langsam wieder ins Leben zurück.

Und dann ist da das Leben von Francescho del Cossa, dem Renaissancekünstler, dessen Werdegang zum Hofmaler bei Borsa d’Este alles andere als einfach war und dessen ungewöhnliche Geschichte auf verblüffende, höchst vergnügliche Weise auf die des Mädchens George trifft …
Quelle: www.randomhouse.de

Diese Klappentext des Buches, beschreibt die Handlung so gut, dass ich dem wirklich nichts hinzuzufügen habe. Schließlich möchte ich nicht Spoilern.

Sprache und Erzählstil sind hier wirklich erfrischend neu. Ich habe so es noch in keinem Buch vorher erlebt, das ein Autor so mit Sprache spielt und so extrem Zeiten und Stile fast schon provozierend, dem Leser um die Ohren haut :). Anfangs war ich verwirrt und ehrlich gesagt ein wenig genervt, das gewisse Vorkommnisse oft wiederholt wurden, doch dann verstand ich erst, was Ali Smith da eigentlich tat. Sobald man es versteht, entsteht Spannung nicht nur durch die Handlung der Geschichte, sondern manifestiert sich auch in den verschiedenen Varianten der Verwendung Sprache und Stilmittel. „Wie weit geht sie? Was kommt da noch?“

Das Buch ist eigentlich in 2 Hälften geteilt. In der ersten Hälfte erfährt der Leser die Geschichte von George, einer 16 jährigen die noch in Trauer um ihre Mutter lebt. Im zweiten Teil geht es um Francesco del Cossa, einen Renaissancekünstler und dessen Lebensweg. Ali Smith schafft es tatsächlich ohne kitschig zu werden, eine feine Verbindung zwischen deren beider Leben zu schaffen.

Beide Geschichten für sich alleine sind schon eines Buches wert. Humor kommt hier nie zu kurz, verbunden mit lehrreichen und weisen Worten. Auch regt die Geschichte zur Selbstreflexion an, hier eine Passage die mir zum Beispiel sehr gefiel:

„Ist Wert dasselbe wie Geld? Ist das ein und dasselbe? Ist Geld das, was wir sind? Wie viel Geld wir machen, bestimmt das darüber, wer wir sind? Was bedeutet das Wort machen? Sind wir, was wir machen?“

Die beiden einzelnen Geschichten sind gut nachzuvollziehen und in sich logisch und realistisch dargestellt. Die Verbindung der beiden, vielleicht nicht so, aber wen kümmert es? Es ist schließlich ein Roman, und damit Fiktion, ich finde das toll!

Ich liebe dieses Buch, das mich sehr gut unterhalten hat. Trotz meiner starken Schmerzen nach einer Zahnoperation habe ich es in meinen freien Minuten verschlungen. Es ist ein einzigartiges Buch, und macht es zur Pflichtlektüre für alle neugierigen Leser. Man muss kein Kunstliebhaber sein um es zu verstehen, aber es kann Lust auf Kunst machen. Da es einen kleinen Einblick gibt, worauf es in der Kunst ankommt, ob als Schaffender oder Betrachter eines Gemäldes oder von Fresken.

Ich kann jedem empfehlen dieses Buch zu lesen, es ist ein Erlebnis.
Wer dieses Buch verpasst, verpasst ein Goldstück!

Von mir gibt es auf jeden Fall 5 Sterne!

Ich danke dem Luchterhand Verlag für dieses Rezensionsexemplar sehr.

Liebe Grüße und viel Spaß mit diesem Buch,

Der Weltenwandler

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