Mittwoch, 12. Juli 2017


Rezension zu » die Schatten von Edinburgh« 
von Oscar de Muriel





Genre: historischer Krimi
Verlag: Goldmann

Erscheinungsdatum: 20.02.2017


Beschreibung: 

Edinburgh, 1888. Der begnadete Ermittler Ian Frey wird von London nach Schottland zwangsversetzt. Für den kultivierten Engländer eine wahre Strafe. Als er seinen neuen Vorgesetzten, Inspector McGray, kennenlernt, findet er all seine Vorurteile bestätigt: Ungehobelt, abergläubisch und bärbeißig, hat der Schotte seinen ganz eigenen Ehrenkodex. Doch dann bringt ein schier unlösbarer Fall die beiden grundverschiedenen Männer zusammen: Ein Violinist wird grausam in seinem Heim ermordet. Sein aufgelöstes Dienstmädchen schwört, dass es in der Nacht drei Geiger im Musikzimmer gehört hat. Doch in dem von innen verschlossenen, fensterlosen Raum liegt nur die Leiche des Hausherren ...
Quelle: Goldmann Verlag

Auf meiner Rückreise von Schottland, als wir in Edinburgh halt machten, hatten wir endlich wieder Zugang zum Internet. Natürlich informierte ich mich den den sozialen Medien, was so in der Buchszene passiert. Und wie es der »Teufel« ;) so wollte, erschien mir auf Facebook ein Beitrag, von https://www.zwischen-den-zeilen.com, zu diesem Buch. Schon von der Beschreibung war ich sofort angefixt. Keine 2 Tage habe ich gebraucht um es zu lesen, habe jeden Moment an Freizeit genutzt, denn ich klebte, wegen der Spannung in der Handlung, an der Geschichte. 

Das ein geborener Mexikaner, einen so grandiosen, klassischen und typisch englischen Krimi schreibt (die Handlung spielt um 1888), hätte ich nie erwartet.

Es macht Spaß, die »Feindschaft« die Engländer und Schotten, die der Londoner Inspector Frey und der schottische Ermittler McGray zelebrieren. Das erinnerte mich als Kölner natürlich sofort an unsere » Freundschaft« mit der »verbotenen Stadt« deren Name ich nicht ausspreche (-schreibe) ;).
Also auf deutsch gesagt, die Handlung enthält auch einen guten Teil an Humor.

Da es der zweite schottische Krimi/ Thriller ist, den ich aufgrund meiner Schottland-Reise lese, stelle ich fest, das die Schottland einen starken Hang zur Tradition haben, das zeigt sich in der Art und Weise, wie sie ihre Opfer Töten, ich denke hier an die Hinrichtungsmethoden die auch dem schottischen Nationalheld William Wallace zuteil wurde am 23. August im Jahr 1305. Oder auch Gift ist immer noch beliebt 1888. Also, selbst wenn man Unschuldige tötet, Tradition bleibt Tradition! ;)
Für mich persönlich war es natürlich auch erfreulich, das einige Orte, die ich kürzlich erst besuchte, in dem Buch eine Rolle spielen, besonders der Pub »Ensign Ewart« auf der Royal Mile in Edinburgh, der schon seit dem Jahr 1680 seine Gäste bewirtet. Haggis habe ich übrigens auch sein gelassen ;).

Die Geschichte schreibt Oscar de Muriel wie gesagt im sehr klassisch englischen Stil. Und er kann das, ein absolut gelungenes Werk. Er bezieht die damals typische englische Gesellschaft sehr gut mit ein, ohne es zu übertreiben. Jack de Ripper mordet zu gleicher Zeit, spielt hier aber nur eine Nebenrolle. Als Frey dann in Edinburgh ankommt und mit McGray die Ermittlungen aufnimmt, wird es zum Teil auch mystisch und düster, Gänsehaut und unter die Decke kriechen sind hier auch garantiert. 

Oscar de Muriel übertreibt es aber nie, auch wenn es zunächst an einigen Stellen so wirken wird. Toll ist auch zu welchen Mitteln die beiden Ermittler manchmal greifen, um voranzukommen, damit sie die Steine umgehen können, die Ihnen in den Weg gelegt werden.

Der Autor bleibt, obwohl auch von beiden Ermittlern die familiären Umstände eine Rolle spielen, immer sehr nah an der Haupthandlung. Sein Schreibstil ist sehr gut verständlich und sorgt für Tempo. Die Spannung steigert sich kontinuierlich bis zum Finale.

Die einzelnen Protagonisten werden ausreichend dargestellt so das ich kein Defizit, in dem Bereich, feststellen konnte. 

Der Verlauf der Morde, die Zusammenhänge und die Auflösung des Ganzen sind absolut logisch und nachvollziehbar aber nicht vorhersehbar. Nur in der Höhlen-Szene war mir klar, für wen der vierte Haken gedacht war. Nur ist zu dem Zeitpunkt der Mörder schon enttarnt und müsste nur noch dingfest gemacht werden. Ob es gelingen wird, ist natürlich noch eine andere Frage.

Ein sehr kreativer historischer Krimi, der keine Langeweile aufkommen lässt. 
Dieser Krimi ist perfekt für den Urlaub, und sollte in keinem Krimi-Regal fehlen.

Perfekt bedeutet bei mir 5+ Sterne

Danke noch einmal Maurice Feiel vom Blog https://www.zwischen-den-zeilen.com
Ohne dessen Beitrag ich so schnell wohl nicht auf das Buch aufmerksam geworden wäre.

Ich danke dem Goldmann Verlag für das Rezensions-Exemplar

LG Euer Weltenwandler

Freitag, 7. Juli 2017

Seid gestern endlich vereint, der Winter mit Kaminzeiten ist schon einmal gesichert!



Beschreibung zum 1. Band "Tausendundeine Nacht":

Diese Neuübersetzung von Tausendundeine Nacht macht erstmals die älteste arabische Fassung der berühmten orientalischen Erzählsammlung auch deutschen Lesern zugänglich. Die Übersetzerin Claudia Ott führt uns mit einer Frische und Ungezwungenheit durch das Labyrinth der kunstvoll verwobenen Erzählfäden, daß man meint, Schahrasad selbst zu hören. Nicht mehr ein europäischer Orientalismus spricht durch Tausendundeine Nacht zu uns, sondern endlich der Orient selbst.

Die nächtlichen Erzählungen von Schahrasad, mit denen sie ihren königlichen Gatten verzaubert und so ihre Tötung immer wieder aufschiebt, entführen den Leser in die Welt der Basare und Karawansereien, der weisen Kalifen und verschlagenen Händler, der vornehmen Damen und klugen Ehefrauen, der mächtigen Zauberinnen, Dschinnen und bösen Dämonen. Sie berichten von erotischen Vergnügen und harten Schicksalsschlägen. Wie kein anderes Werk ist Tausendundeine Nacht Inbegriff eines romantischen, exotischen Orientbildes. Dieses Orientbild geht allerdings nicht unmittelbar auf Tausendundeine Nacht zurück, sondern wurde seit dem 18. Jahrhundert von Europäern in die verschiedenen Übersetzungen und Sammlungen hineingetragen. Zudem wurden die Erzählungen dem europäischen Geschmack angepaßt, indem die zuweilen derbe Ausdrucksweise und unverblümte Erotik des Originals durch einen biederen Märchenstil ersetzt wurden. Nachdem Muhsin Mahdi 1984 die weitaus älteste Handschrift aus dem 14./15. Jahrhundert ediert hat, ist es jedoch möglich, die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht in einer von allen Übermalungen, Ausschmückungen und Prüderien der letzten Jahrhunderte freien Form kennenzulernen.

Beschreibung zum 2. Band "Das glückliche Ende"


In einer kleinen Bibliothek in Zentralanatolien, die vor 250 Jahren ein Sammler alter Handschriften erbaute, liegt – versteckt in einem falsch beschrifteten Schuber – ein uraltes Manuskript des Endes von „Tausendundeine Nacht“. Diese sensationelle Entdeckung macht Claudia Ott mit ihrer Übersetzung erstmals der Öffentlichkeit zugänglich.
Über das Ende der Rahmenerzählung von der klugen Schahrasad, die durch ihre Geschichten König Schahriyar davon abhält, sie zu töten, war bisher so gut wie nichts bekannt. Die vollständigen arabischen Manuskripte, die erst im 19. Jahrhundert unter europäischem Einfluss entstanden sind, blenden die Rahmenerzählung fast völlig aus. Erstmals werden nun die letzten 125 Nächte des Zyklus sowie der ausführliche Schluss in einer arabischen Fassung zugänglich, die viele Jahrhunderte älter ist. Claudia Ott versteht es meisterhaft, die Unmittelbarkeit und Frische des arabischen Originals zu vermitteln. Frei von allen europäischen Übermalungen und Ausschmückungen entführt sie den Leser in eine zauberhafte Welt der Paläste und Basare, der weisen Wesire und verschlagenen Händler, eine Welt voller erotischer Abenteuer und böser Streiche. „Ach, Schwester“, seufzte Dunyasad, „wie köstlich ist deine Geschichte und wie schön und süß und angenehm!“

Quelle: C.H. Beck Verlag





Rezension zu "Die Gauner von Pizza Falcone" 
von Maurizio de Giovanni 

Lojacono ermittelt in Neapel 2. Band der Reihe





Genre: Krimi 
Verlag: Rowohlt 
Erscheinungstermin: 28.08.2015

Beschreibung:
Sie sind Polizisten. Sie wurden ausgewählt, weil man sicher war, sie würden scheitern ... Maurizio de Giovanni, Shootingstar der italienischen Krimiszene, legt den zweiten Band der neapolitanischen Serie um Inspektor Lojacono vor. Im besten Viertel Neapels wird eine Notarsgattin tot aufgefunden. Die Dame sammelte leidenschaftlich Schneekugeln, und ausgerechnet eins ihrer Sammlerstücke musste als Tatwaffe herhalten. Nichts deutet auf ein gewaltsames Eindringen ins Haus. War der Mörder ein Bekannter der Frau? Inspektor Lojacono wurde gerade mit ein paar anderen Polizisten in ein neues Kommissariat, Pizzofalcone, versetzt: Sie müssen den Großteil der alten Besetzung ablösen, die in ein skandalöses Drogendelikt verwickelt war. Mit diesem schlechten Ruf schlagen sich die neuen Beamten nun herum, weshalb sie spaßeshalber nur «die Gauner von Pizzofalcone» genannt werden. Doch während der Regen durch Neapels Straßen peitscht, will bei Inspektor Lojacono so gar keine heitere Stimmung aufkommen …

Wieder einmal ein toller Krimi aus der Hand von Maurizio de Giovanni. Lojacono ermittelt jetzt zusammen mit völlig unterschiedlichen Charakteren, die an einem Strang ziehen. Das Bild vom Einzelgänger wird gelöscht und macht die Handlung noch vielseitiger. Gut so!

Auch lässt Giovanni das Kommissariat realer wirken. Er erzählt auch parallel zum Hauptgeschehen über weitere Einsätze von Teilen des Teams und nimmt diese als Gelegenheit, uns Lesern, die Ermittler selbst weiter vorzustellen. Sicher werden diese auch noch ausserhalb der Arbeit erklärt, aber kurz und knackig.
Einer dieser Fälle könnte schon die Einführung zu einem weiteren Buch sein, ob dies so ist, werden wir ja noch erleben, denn er endet hier mit einem raffinierten "Cliffhänger".

Der Autor schreibt hier sehr kompakt und ein Ereignis folgt dem nächsten, das lässt die Geschwindigkeit, beim Lesen, steigen. Sehr schnell meint man die Lösung auf dem silbernen Tablet serviert bekommen zu haben und wird dann dann sehr überrascht.

Maurizio de Giovanni schreibt sehr verständlich, und verknotet die Handlung nicht in komplizierte Stränge, man verliert den Faden nicht, wem das bei ihm passiert, sollte mehr schlafen oder weniger Wein beim Lesen trinken ;) .

" Die Gauner von Pizza Falcone" ist als zweiter Teil der Reihe sehr gut gelungen, da sich sehr viele Dinge um Inspektor Lojacono verändern, und nicht nur einfach ein weiterer Fall, an feste Begebenheiten des ersten Buches, angehängt werden.
Ich habe diesen Krimi wieder sehr genossen,

Maurizio de Giovanni macht dem Genre Krimi alle Ehre. Man fühlt seine Leidenschaft und Kreativität.

Ich kann dieses Buch ( Reihe ) sehr empfehlen. Umd mich wundert es nicht, das Maurizio de Giovanni als Superstar der italienischen Krimiszene gehandelt wird.

Absolute Kaufempfehlung

Ich gebe hier 5 Sterne

LG Euer Weltenwandler

Das Buch gehört übrigens zu den "Sommertipps" meiner Liebsten Buchhandlung Bittner in Köln.
Die Buchhandlung verfügt über einen eigenen Online-Shop.

Donnerstag, 6. Juli 2017

Rezension zu »Erfindung des Abschieds«

von Friedrich Ani

( Tabor Süden Roman Reihe Teil 1)





Genre: Krimi/Thriller
Verlag: Droemer Knaur
Erscheinungsdatum: 13.07.2011


Beschreibung: 

Nach dem Tod seines geliebten Großvaters ist der neunjährige Raphael Vogel spurlos verschwunden. Die zerstrittenen Eltern – und bald auch die Öffentlichkeit und Medien – sind in höchstem Alarmzustand.
Quelle: Verlag Droemer Knaur

Auch ein Buch, das ich mir schon länger vorgenommen habe, nachdem ich »Der namenlose Tag« von Friedrich Ani, schon vor einiger Zeit, gelesen hatte.
Mich interessierte diese Reihe, da ich wissen wollte, ob der Autor auch hier so toll mit Sprache umgeht, und wurde nicht enttäuscht. Also war mein Schottland Urlaub die richtige Gelegenheit, und ich habe dieses Buch an einem Tag in den Highlands, in Kenmore am Loch Tay, durchgelesen.

Zu Beginn ist man natürlich gespannt auf den Fall und aber auch auf den Haupt-Protagonisten. Nur da kam erst mal nichts Eindeutiges von Tabor Süden (dachte ich), und ich fragte mich, ob ich das richtige Buch gekauft hatte ;).  

Aber Ani ist ein Fuchs, er lies erst mal den Leser im Dunklem, und erzeugte damit schon Spannung. Der Fall des verschwundenen Raphael wird sehr tragisch und dramatisch dargestellt und Mitgefühl stellt sich beim Leser ein, da Ani mit seiner Art zu Schreiben dieses sehr stark erzeugt. 

Man fühlt sich zunächst in einer sehr realen Welt, denn Friedrich Ani betreibt keine Effekt-Hascherei, man hat fast das Gefühl die Geschichte beruht auf wahren Tatsachen.
Doch dann kommt Tabor Süden in das Spiel , und es wird auch spirituell. Denn dieser wird nicht umsonst von der Presse »Seher« genannt, da seine Methoden nicht immer der klassischen Polizei-Arbeit gleichen. Das seine Mitmenschen, oft, damit nicht zurechtkommen, wundert mich nicht, denn gerade die deutsche Gesellschaft ist nicht sehr offen, was es angeht, andere Wege zu gehen, als die der üblichen Vorgaben und Regeln. Aber hier muss man auch keine Bedenken haben, denn es wird mit der Spiritualität nicht übertrieben, es hat mehr was von Philosophie des Lebens zu tun, Erfahrungen und Weiterentwicklung unseres Geistes. Was Ängste in uns auslösen und der Vorstellung und Erwartungen vom Glück. Und da sind wir Menschen halt alle verschieden, so wir Friedrich Ani es hier so überzeugend darstellt.

Die Geschichte ist sehr flüssig zu lesen und erfreut mit der Wort- und Satzwahl. Nie war es mir langweilig, obwohl es nicht so vor Spannung im Sinne von Thrill protzt. Die Spannung erzeugt der Autor durch die Entwicklung der einzelnen Protagonisten und deren Reaktionen auf Ereignisse. Und an einigen Stellen kann man sich selbst auch gut mal fragen, was hätte ich an seiner/ihrer Stelle getan oder gedacht. Tabor Süden funktioniert nicht nur als Ermittler sehr gut, sondern auch als Lehrer für das Leben.

Fazit: Friedrich Ani ist einzigartig unter den deutschsprachigen Autoren. Er regt zum Nachdenken an, und verwöhnt mit seinem feinen Schreib- und Erzählstil. Er verwendet seine Krimis nicht nur für Spannung, sondern gibt uns viel mehr. Anstöße uns selbst zu reflektieren.

Bei mir ist es angekommen, und es wird nicht mein letzter Tabor Süden sein.

Gerne 5 Sterne für diesen weiteren Genuss

LG Euer Weltenwandler


Mittwoch, 5. Juli 2017

Rezension zu " Das Mädchenopfer " 

von James Oswald

( Inspector McLean-Reihe 1 )



Genre: Thriller
Verlag: Goldmann 
Erscheinungsdatum: 21.07.2014

Beschreibung: 
In Edinburgh werden im Kellerraum eines alten Hauses die entsetzlich zugerichteten Gebeine eines jungen Mädchens entdeckt. Ringsum befinden sich sechs Wandnischen – darin sechs Schmuckstücke und die konservierten Organe des Opfers. Die Polizei misst dem Fall keine besondere Bedeutung bei, geschah der Mord doch vor mehr als 60 Jahren. Nur Detective Inspector Anthony McLean lässt das schreckliche Schicksal des Mädchens keine Ruhe. Bald stößt er auf eine Verbindung zu einer blutigen Mordserie, die seit Kurzem die Stadt erschüttert, und kommt auf die Spur einer unvorstellbar bösen Wahrheit ... Quelle: Goldmann Verlag
Vor meiner Schottland-Reise suchte ich natürlich auch Bücher von schottischen Autoren. Auf dieser Suche begegnete mir James Oswald mit dieser Reihe. Ich bin begeistert von diesem ersten Buch der Reihe. Der Autor lässt sogar die zuerst getrennten Fälle sehr fliessend und glaubhaft zusammenfliessen, mit einer leicht verständlichen Sprache. Die Schilderung der Polizeiarbeit wirkt sehr realistisch, und nicht überzogen. Die einzelnen Protagonisten haben alle ihre einzigartigen, interessanten Charakterzüge die sich weiterentwickeln im Buch, und auch für den nötigen Leseschwung sorgen. Auch die zeitlich gut gesetzten wichtigen Ereignisse, lassen nie Langeweile aufkommen. Sprich, der Spannungsbogen hängt an keiner Stelle durch, also ein Buch welches man locker an einen freien Tag durchlesen kann. Ich empfehle dazu einen "Glengoyne Single-Malt" 
Dieser Thriller, auch für reine Krimi-Freumde zu empfehlen, hat mich sehr gut unterhalten und ich freue mich auf den nächsten Teil der Reihe. Mich wundert es, das ich bisher noch nie etwas von diesem Autor gelesen habe.
5 Sterne für diesen Auftakt der Reihe

Sonntag, 16. April 2017


Rezension zu
„Meine geniale Freundin“
von
Elena Ferrante





Beschreibung:

Sie könnten unterschiedlicher kaum sein und sind doch unzertrennlich, Lila und Elena, schon als junge Mädchen beste Freundinnen. Und sie werden es ihr ganzes Leben lang bleiben, über sechs Jahrzehnte hinweg, bis die eine spurlos verschwindet und die andere auf alles Gemeinsame zurückblickt, um hinter das Rätsel dieses Verschwindens zu kommen.
Im Neapel der fünfziger Jahre wachsen sie auf, in einem armen, überbordenden, volkstümlichen Viertel, derbes Fluchen auf den Straßen, Familien, die sich seit Generationen befehden, das Silvesterfeuerwerk artet in eine Schießerei aus. Hier gehen sie in die Schule, die unangepasste, draufgängerische Schustertochter Lila und die schüchterne, beflissene Elena, Tochter eines Pförtners, beide darum wetteifernd, besser zu sein als die andere. Bis Lilas Vater seine noch junge Tochter zwingt, dauerhaft in der Schusterei mitzuarbeiten, und Elena mit dem bohrenden Verdacht zurückbleibt, eine Gelegenheit zu nutzen, die eigentlich ihrer Freundin zugestanden hätte.
Ihre Wege trennen sich, die eine geht fort und studiert und wird Schriftstellerin, die andere wird Neapel nie verlassen, und trotzdem bleiben Elena und Lila sich nahe, sie begleiten einander durch erste Liebesaffären, Ehen, die Erfahrung von Mutterschaft, durch Jahre der Arbeit und Episoden politischer Bewusstwerdung, zwei eigensinnige, unnachgiebige Frauen, die sich nicht zuletzt gegen die Zumutungen einer brutalen, von Männern beherrschten Welt behaupten müssen.
Sie bleiben einander nahe, aber es ist stets eine zwiespältige Nähe: aus Befremden und Zuneigung, aus Rivalität und Innigkeit, aus Missgunst und etwas, das größer und stiller ist als Lieben. Liegt hier das Geheimnis von Lilas Verschwinden?

Quelle: Suhrkamp Verlag

Dieses Buch habe ich für meine Freundin gelesen, die sich dafür interessiert. Die Familie meiner Freundin stammt aus Neapel, und das macht dann sehr neugierig. Insbesondere da es auch sehr gut rezensiert wurde.

Die Geschichte hat mich gut unterhalten, denn Elena Ferrante schafft mit Ihren Worten fast ein visuelles Bild von dem Milieu, dem Stadtteil, in dem die beiden Hauptprotagonisten aufwachsen und Ihre Freundschaft entsteht. Es ist das Italien, wie ich es mir auch vorstelle, mit Wäscheleinen die über Straßen hängen, Mamas die in den Fenstern das Treiben der Nachbarn beobachten. 

Jetzt denken bestimmt einige Männer, dies sei ein reines Frauenbuch, ist es aber definitiv nicht, das Geschlecht der Hauptprotagonisten spielt für das Lesevergnügen keine Rolle, außer natürlich bei wenigen Details. Man hätte diese Geschichte auch mit männlichen Freunden schreiben können, und sie wäre sicher nicht schlechter geworden.

Der Erzählstil lies mich entspannt in eine andere Welt tauchen, die ich gerne gespannt beobachtete. Das Buch ist in einer sehr einfachen Sprache verfasst und lies mich in keinen Moment das Gefühl haben, es würde langatmig werden. 

Nur habe ich mich jetzt gefragt, ob ich die Fortsetzungen lesen werde, von diesem ersten Teil, der wohl 4 teiligen Saga, und denke nicht. Das liegt nicht an der Qualität des Buches, sondern viel mehr daran, dass mir die Entwicklung bis zur Hochzeit Lila’s genügt. Außerdem bin ich kein wirklicher Leser von Buchreihen, dazu müsste mich wirklich eine Sucht packen, die hier aber nicht zustande gekommen ist.

Insgesamt hat das Buch mir gefallen, weshalb ich auch gerne 4 Sterne gebe.


Euer Weltenwandler

Donnerstag, 6. April 2017

Rezension zu
»Leichenspiele«
Von Bernhard Aichner




Erschienen: 13.06.2016
Verlag: btb

Beschreibung: Die Dorfidylle trügt: Totengräber Max Broll und sein bester Freund, der ehemalige Fußballstar Johann Baroni erhalten ein unmoralisches Angebot. Man bietet den beiden viel Geld – wenn sie dafür eine Leiche vom Friedhof verschwinden lassen. Da Baroni vor dem finanziellen Ruin steht, lassen sie sich darauf ein. Die beiden geraten auf immer dunklere Abwege, als wenig später zwei weitere Leichen vor Baronis Tür liegen. Nicht nur die beiden Freunde, sondern auch die Polizei fragen sich, woher die unbekannten Toten kommen und warum ihnen mehrere Organe fehlen.

Max Broll und sein Kumpel Baroni bringen wieder einmal das Dorf zum Leben, mit ihren Sauforgien und schrägen Ideen. Besonders die Handlungen, die aus diesen Exessen entstehen, führen zu katastrophalen Situationen. Schräger und durchgeknallter als die beiden kann man kaum seinn, wenn man erpresst wird. Da wird Gunther von Hagen und dessen Ausstellungen, zum Vorbild für die beiden, nur das sie ihre »Kunst« im Supermarkt zelebrieren und nicht im Museum. Da stellt sich eine Kuh ihnen in den Weg, und zeigt den beiden, wie beschissen sie die Idee findet, sich von den beiden wegschieben zu lassen. Und modisch haben die beiden auch ihre ganz eigenen Ansichten.

Dabei kommt die Spannung nie zu kurz, gerade weil man sich beim Lesen fragt, in welchen Mist sich die beiden wieder bringen und wie sie mit ihrer einzigartigen Art und Weise, den Fall lösen.

Ihr dürft euch auf einen hoch amüsanten Krimi freuen, den Bernhard Aichner da wieder fabriziert hat. Vielleicht sollte man Bernhard manchmal auch die Schnapsrationen kürzen, denn so ein Krimi schreibt man doch nur im Vollrausch, daher wohl auch seine Handschrift.

Zum Schreibstil muss ich nicht viel schreiben, der ist typisch Bernhard Aichner, und oft beschrieben in meinen anderen Rezensionen zu Bernhard Aichner’s Büchern.

Bernhard Aichner schafft es immer wieder, mich zu unterhalten, und ich freue mich schon auf das nächste Buch der Broll-Reihe, welches hier in meinem neuen Lesezimmer, bereit liegt.

Ich weiss es klingt langweilig aber es ist nun mal so:

5 verdiente Sterne

Liebe Grüße

Euer Weltenwandler


Rezension zu

"Tomatenrot" von Daniel Woodrell

                                        




Erscheinungsdatum: 25.01.2016
Verlag: liebeskind


Beschreibung:

Sammy Barlach ist ein Verlierer, der sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt. Eigentlich will er nur irgendwo dazugehören – und stolpert so zielsicher ins Verderben. Bei einem Einbruch in eine Villa trifft er auf zwei andere, ebenso planlose Wohlstandsplünderer: die neunzehnjährige Jamalee mit ihren kurzen, tomatenroten Haaren und ihren bildschönen jüngeren Bruder Jason. Endlich hat Sammy, was er immer gesucht hat: Familienanschluss – und ein bisschen mehr. Mit der Mutter der beiden, Bev, die sich ihren Unterhalt als Escortdame und gelegentlich als Polizeispitzel verdient, beginnt er eine Affäre, aber auch von Jamalee kann er die Augen nicht lassen. Doch die hat andere Pläne und will hoch hinaus, zumindest raus aus dem Sumpf von Venus Holler. Aus der Tatsache, dass die Hälfte aller Frauen der Stadt hinter Jason her ist, will sie Profit schlagen. Doch dann wird eines Morgens Jasons Leiche gefunden, und erst jetzt offenbart sich, wie tief dieser Sumpf wirklich ist.

Quelle: liebeskind Verlag


Wer jetzt einen klassischen Krimi erwartet hat, mit klaren Ermittler, Opfer und Täter, wird eine Überraschung erleben. Daniel Woodrell macht diesen Krimi zu einem Spiegel der heutigen Gesellschaftsschichten. In der Geschichte sah ich alles das, was ich sonst auch im wahren Leben wahrnehme, wie es um uns steht. Er schreibt, wie es ist, dass man schnell abrutschen kann, schwer aufsteigen, aber wir alle immer unsere Träume und Hoffnungen nie verlieren, ob wir es zugeben oder nicht. Der Autor übertreibt an keiner Stelle, alles wirkt realistisch und könnte so jeden Tag passieren.

Woodrell’s Umgang mit der Sprache und seine Erzählweise haben mich sehr beeindruckt und ich habe es sehr genossen. Er ist sehr kreativ in der Wort-und Satzfindung für Szenen. Hier schreibt er Vergleiche, um Ereignisse zu beschreiben, die an Originalität seines Gleichen suchen, die mir so bei anderen Autoren sonst nie aufgefallen sind (Was nicht bedeutet, dass es diese nicht gab!). Da rast ein Zug mit einer solchen Geschwindigkeit, wie ein Erdrutsch auf dem Weg zum Rendezvous mit der Flut, klasse!

Auch sonst war das Buch sehr gut zu lesen, da Daniel Woodrell auf komplizierte Satzstellung oder Fremdwörter verzichtet, er fesselt uns Leser mit seinem Stil.

Doch eines hat mir nicht gefallen, und das ist die Geschichte selbst, da muss ich dem Autor leider Punkte abziehen, denn diese wirkte auf mich nicht wirklich sehr spannend, was ich auch bei einem Roman erwarte, gerade von einem Meister des »Crime-Noir«.

Also wenn ihr in toller Sprache erzählte Geschichten mögt, dann kauft es euch, erwartet ihr aber Spannung hoch drei, dann lasst die Finger davon.


Ich gebe hier gerne 4 Sterne


Euer Weltenwandler

Dienstag, 4. April 2017

Rezension zu 
»Das geheime Leben des Monsieur Pick«







Autor: David Foenkinos
Verlag: DVA
Erscheinungsdatum: 13.03.2017

Klappentext auf der Coverrückseite:

Ein windumtostest Dorf in der Bretagne, in dem alles so ist, wie es schon immer war. Bis eines Tages eine junge Frau in der Gemeindebücherei ein Manuskript entdeckt, das selbst im fernen Paris für Aufregung sorgt und das Leben vieler Menschen verändert. Ein alter Bibliothekar und seine große Liebe, eine Dessousladenbesitzerin, die vom Glück überrascht wird, und ein misstrauischer Kritiker - all ihre Geschichten verweben sich durch den rätselhaften Roman eines Monsieur Pick...

Das Buch begann stark mit sehr gutem Humor, ich war begeistert, es schien meine Erwartungen, zu übertreffen. Leider ging es dann Berg ab, denn nach dem Fund des Manuskriptes, verliert sich die Handlung fast nur noch in Beziehungsdramen, die aus der Entdeckung resultieren. Da hätte David Foenkinos kreativer sein können. Doch als ich mich über den Autor informierte, den ich zuvor nie gelesen hatte, wurde mir einiges klar. Liebesromane etc, scheinen halt sein Ding zu sein. Nur weckte der Klappentext auf dem Buch ganz andere Vorstellungen in mir.

Dazu kommt, das diese Beziehungsgeschichten dann auch noch sehr eintönig und klischeehaft wirken. Als hätte der Autor sich von Blättchen wie »Die Bunte« oder »Gala« etc inspirieren lassen. In dem einen Drama geht es um Geld, im nächsten um die Wiederentdeckung der Jugend in sich und Abenteuer oder als drittes im Bunde, um Probleme wegen der Karriereziele eines Paares. Dafür hätte es die Entdeckung des Buches des Monsieur Pick, nicht unbedingt gebraucht. 

Störend empfand ich auch, die billige, Beschreibungen der Szenen, wenn es zu sexuellen Handlungen kommt, ich empfand das nicht als erotisch, sondern nur ekelig, und ich bin sicher kein Mensch, der ein Problem mit dem Thema hat. Nur die Worte, die verwendet werden, sind hier nicht gut gewählt. Die Szenen waren schlicht überflüssig.

Der Schreibstil ist sehr leicht zu lesen und David Foenkinos kann sehr lustig sein, leider war es in diesem Buch nur eine richtig gute Passage. Dieser Stil war dann letztendlich der Grund, warum ich das Buch überhaupt beendet habe, denn nach dem Anfang, wurde es mir zu langweilig. Der Spannungsbogen war so dünn wie ein Spinnenfaden.

Am Schluss geht der Autor dann doch noch mal näher auf die Ereignisse ein, die direkt mit dem ominösen Buch zu tun haben, aber das hat es leider nicht mehr gerettet.
Fazit: Dieses Buch hat mich enttäuscht, was nicht bedeutet, dass es für bestimmte Leser kein Genuss sein könnte. Es ist eben eine sehr leichte Lektüre, wenn man nicht viel denken will. Vielleicht ist es auch mehr ein Frauenbuch und ich als Mann kann damit einfach nichts anfangen.

Eine klare Kaufempfehlung kann ich guten Gewissens nicht aussprechen.
Für das Cover und für den Humor den Foenkinos zustande bringt gibt es:

2 Sterne

Aber das war es dann auch schon.
Sehr schade.

Liebe Grüße


Euer Weltenwandler

Samstag, 1. April 2017

Rezension zu
"Ein wenig Leben"




Autor: Hanya Yanagihara
Verlag: Hanser
Erscheinungsdatum:10.03.2017


Dieses Buch, wurde mir von einer Mitarbeiterin meiner Buchhandlung empfohlen und fand sofort mein Interesse.

Nur das mir eine solch intensive Leseerfahrung bevorstand, hatte ich wirklich nicht erwartet.

Hanya Yanagihara hat sehr ausführlich und detailreich Einblick in das Leben und die Sicht der 4 Freunde gegeben. Das führte dazu das ich mich umso intensiver in die Protagonisten hineinversetzen konnte.Dies führte dazu, besonders bei Jude der Hauptperson, das meine Gefühle extrem strapaziert wurden. Es waren Grenzen des erträglichen erreicht, und nicht nur an einer Stelle kamen mir die Tränen und ich musste das Buch erst mal zur Seite legen. Ich denke wegen der zwischenzeitlichen Höhen, wirkten die Tiefen noch stärker. Wegen der Thematik Jude betreffend und dem Verlauf seiner Geschichte im Buch, bin ich fast geneigt zu sagen, das dies Buch eine Altersbeschränkung braucht. Man sollte geistig gefestigt sein für diese Leseerfahrung, sonst kann die Geschichte einen emotional fertig machen. Als ich fertig mit dem Buch war, dauerte es Tage bis ich es einigermaßen verarbeitet hatte.

Dies alles bedeutet, dieses Buch ist einer meiner besten Leseerfahrungen, die je gemacht habe.

Hanya Yanagihara ist eine sehr gute Autorin, die sich Zeit für diese Geschichte genommen hat als wäre sie es dem Leser schuldig, gerade bei diesem sensiblen Thema des Buches, ihm das Ausmaß von Judes Erfahrungen spürbar zu machen.

Wer dieses Buch als langatmig empfindet, versteht meiner Meinung den Sinn nicht der hinter einen gut ausgearbeiteten Geschichte nicht oder ist vielleicht nur Mainstream Bücher gewöhnt.

Den Schreib- und Erzählstil von Hanya Yanagihara finde ich persönlich grossartig, und ich finde es schade, das sie jetzt erst mal wieder auf ihre journalistische Arbeit konzentriert. Ein weiteres Buch von ihr würde ich blind kaufen. Die leichte Sprache, die ohne viel Fremdwörtern auskommt, und nicht versucht hochintellektuell zu beeindrucken, schafft es trotzdem zu fesseln und den Leser sehr intensiv zu berühren.

Ich gebe den Buch 5 Sterne, und eine klare Kaufempfehlung

Liebe Grüße